75 Jahre Kanu-Club Hamm Marl e.V.

75 Jahre Kanu-Club Hamm Marl e.V.

Nach dem Krieg trafen sich kanubegeisterte junge Menschen in Haltern zu gemeinsamen Bootstouren. Diese Wassersportfans zog es in die Natur. Die ersten Boote wurden in Eigenregie gebaut.

Es war der 21. März 1951, an dem diese Interessengemeinschaft den „Kanu-Club Haltern“ mit Sitz in Haltern gründete. Die ersten Versammlungen fanden bei Vereinsmitgliedern oder in Halterner Gaststätten statt. Schon nach kurzer Zeit verfügte der Verein über 40 Mitglieder und bereits im ersten Jahr wuchs der Wunsch nach einem eigenen Bootshaus. Im Februar 1952 kam es zum Zusammenschluss des KC Wanderpaddler Marl und des KC Haltern e.V. Der neue Verein führte den Namen „Kanu-Club Haltern e.V.“ weiter. Der Sitz des Vereins blieb in Haltern. Schon einen Monat später wurde der Grundstein für das neue Bootshaus gelegt, welches im Sommer desselben Jahres eingeweiht werden konnte.

Auf 6 x 13 Metern war Platz für 50 Boote geschaffen worden und eine Hausmeisterwohnung wurde auch integriert. Ein stolzes Bauwerk war entstanden, auch wenn die Ausstattung nicht dem heutigen Standard entsprach. Die Umkleideräume waren ca. 4qm groß, das Wasser kam vom Nachbarhaus und das „stille Örtchen“ war ein Plumpsklo. Erst später wurde eine Handpumpe installiert.

Bereits in diesen frühen Jahren wagten sich einige Vereinsmitglieder auf große Kanufahrt, so wurde im Gründungsjahr eine mehrtägige Vereinsfahrt in Form eines Pfingstlagers in Datteln durchgeführt. Damals noch mit Zeltplanen und Faltbooten. Ein Jahr später führte die Paddelleidenschaft den Verein nach Südfrankreich an die Ardeche, bis heute ein beliebtes Paddelziel des KCH.

Die ersten Jahrzehnte waren neben den Wanderfahrten insbesondere durch Wettkampfsport geprägt. Viele Jahre konnten Erfolge in Rennkanu- und Slalomwettbewerben z.B. am Vogelsanger Wehr, Wildwasserfahrten in Österreich, Süddeutschland und Südfrankreich, Stadt- und Amtsmeisterschaften und beim „Blauen Band der Lippe“ gefeiert werden. Der KCH fungierte hierbei z.T. auch als Ausrichter.

Doch Anfang der 70er Jahre traten die Wanderfahrten immer mehr in den Vordergrund. Ein letzter Versuch dreier Kanalvereine ein gemeinsames Leistungszentrum für den Kanusport zu gründen, scheiterte an der Satzung des Deutschen Kanu-Verbandes, welche die Bildung von Renngemeinschaften nicht gestattete.

In den folgenden Jahren war der Verein sehr aktiv und stellte auch den Slalomwart im Kanubezirk 3.

Ab November 1964 erhielt der Verein auch seinen jetzigen Namen „Kanu-Club Hamm-Marl e.V.“. Der Ortsteil Hamm-Bossendorf, in dem das Bootshaus steht, gehörte seinerzeit verwaltungstechnisch zu Marl.

Es war 1967, als der Grundstein für die Jugendarbeit gelegt wurde. Aus Spenden und Zuschüssen kaufte der Verein das ersten Vereinsboots, ein Siebener-Mannschaftskanadier, welcher auf den Namen „Panda“ getauft wurde. Dieses mittlerweile über 50 Jahre alte Boot versieht immer noch seinen Dienst im Verein.

Ein Jahr später, 1968, kam ein neuer Wunsch auf: Der An- und Umbau des Clubhauses. Zu diesem Projekt gehörten der Ausbau der Bootshalle, der Wasch- und Umkleideräume, der Toiletten und der Neubau eines Jugendraumes. Über 5.000 Arbeitsstunden der Mitglieder vergingen, ehe am 10. März 1974 der Abschluss der Baumaßnahmen im Rahmen des Bezirksanpaddelns gebührend gefeiert werden konnte.

1976 wurde dann zum ersten Mal ein Jubiläum in einem größeren Rahmen begangen. Der KCH bestand 25 Jahre und feierte dies mit Vereinsmitgliedern, Vertretern der Nachbarvereine und mit Ehrengästen.

In den kommenden Jahren konnte man die Mitglieder des Kanu-Club Hamm-Marl auf den Flüssen und Seen der Region sowie bei vielen anderen Gelegenheiten antreffen. Ob beim Dattelner Kanalfestival oder beim Marler Seefest, der KCH war mit seinem Mannschaftscanadier „Panda“ immer präsent.

Durch Aktionen wie geführte Kanutouren für Politiker und Sportler anderer Sportarten machte der KCH auf sich aufmerksam. Bei Stadt- und Amtsmeisterschaften war und ist der KCH regelmäßig vertreten.

Ein wesentlicher Meilenstein in der 75jährigen Geschichte des Kanu-Club Hamm-Marl e.V. war das 23. Wanderfahrertreffen des Deutschen Kanu-Landesverbandes NRW vom 15. bis 17. September 1978. Ausgerichtet wurde dieser „Kanutentreff nach alter Tradition“ gemeinsam mit den Nachbarvereinen Kanufreunde Marl und Paddlergilde Haltern. Zu dieser Großveranstaltung kamen über 1.000 Kanuten aus dem ganzen Land zusammen, um die drei Veranstaltungstage gesellig und sportlich miteinander zu verbringen. Allein ca. 700 Paddler nahmen am Sonntag die Paddelstrecke auf der Lippe von der Rauschenburg in Datteln bis nach Haltern in Angriff.

Der Höhepunkt war sicherlich der Kanutenball am Samstagabend im vollbesetzten Festzelt.

Die folgenden Jahre waren geprägt durch gezielte Maßnahmen der Mitgliederwerbung vor allem im Jugendbereich, wie „Tag der offenen Tür“ und Kanu-Schnuppertouren für Jugendliche. Man erkannte, dass Jugendliche für die Zukunft des Vereins wichtig sind, aber selbige ohne interessante und engagierte Eltern schwer konstant ins Vereinsleben zu integrieren sind. Dies wurde umso deutlicher, als 1988 die Umbaumaßnahmen des Wesel-Datteln-Kanals begannen.

Unter solchen Umständen war es nicht nur schwer, neue Mitglieder zu werben, sondern es war auch schwierig, die vorhandenen Mitglieder zusammenzuhalten. Die Wohnwagen mussten abgezogen werden. Einige Wohnwageneigentümer zogen ihr Gefährt ab, andere mussten sich leider von ihrem Fahrzeug trennen. Das Vereinsgelände verwandelte sich in einen „Acker“. Dass diese Atmosphäre nicht zum gemütlichen Beisammensein und gemeinsamen Paddeltouren einlud, ist klar. Und so blieb es nicht aus, dass das Vereinsleben fast vollständig zum Erliegen kam.

2001 war der Kanalumbau vergessen und das 50jährige Vereinsjubiläum wurde in Verbindung mit dem 20. Marler Kanutag groß gefeiert.

Aber auch der Kanusport kommt nicht zu kurz. Es wurde neben vielen weiteren Vereinsbooten im Jahr 2003 noch ein Mannschaftscanadier mit 10 Plätzen angeschafft. Zur Lagerung der beiden Großboote wurde das Bootshaus 2004 um eine Garage erweitert. In den letzten Jahren konnten die Mitglieder mit vereinseigener Ausrüstung die Trendsportart StandUp Paddeln (SUP) ausprobieren.

Der KCH brachte lange Jahre erfolgreich Halterner Jugendlichen im Rahmen des „Trigon“-Ferienprogramms der Stadt das Paddeln und naturgerechtes Verhalten bei.

Zudem finden regelmäßig Einführungskurse in den Kanusport für die ganze Familie statt.

Während in den letzten 10 Jahren der Verein häufig Ausrichter von Paddelveranstaltungen der Kanalvereine oder gar auf Bezirksebene war, kamen die Paddelaktivitäten in der Corona Pandemie erneut zum Erliegen. Dennoch blieben die Mitglieder dem Verein bisher treu, da Paddeln als Individualsport auch in Coronazeiten möglich war und sogar einen gewissen Boom erfuhr. Die gepaddelte Kilometerleistung des Vereins gingen deshalb nur leicht zurück.

Nachdem 2020 Zuschüsse im Zuge des Programms „Moderne Sportstätte 2022“ der Landesregierung NRW erteilt wurden, konnte die Heizungsanlage und das Dach erneuert werden.

Heute äußert sich die paddeltechnische Vielfalt des Verein in der Bandbreite von Wildwasser über SUP und Mannschaftscanadiertouren bis hin zu Seekajak sowie überwiegend Wanderfahren. Ein Ergebnis dieser unzähligen Aktivitäten sind nicht zuletzt die im letzten dreiviertel Jahrhundert gepaddelten ca. 600.000 Vereinskilometer.

In den zurückliegenden Jahren hat sich das Vereinsleben ausnahmslos positiv entwickelt. Von den aktuell 65 Vereinsmitgliedern gehören über 1/4 der Jugendabteilung an. Somit kann man von einer gesunden Struktur mit Zukunftsperspektiven sprechen. Die Aktiven sind mit Herz und Seele dabei und stellen bereitwillig ihre Freizeit dem Verein zur Verfügung.